Land

Die Ländereien

Südandryll liegt an der Westküste der Südlande und besteht, in Küstennähe, aus leidlich fruchtbarer Steppe, während das Landesinnere, das ca 9/10 der Fläche ausmacht, heiße und unfruchtbare Wüste ist. Nur ein Fluss, der Sahkor, durchzieht das Land in einem weiten Bogen aus den Bergen im Süden kommend und mündet im Nordwesten ins Meer.

Die Steppe wird überwiegend von Bauern besiedelt, während in der Wüste nur wenige Nomaden zwischen den seltenen Oasen umher ziehen. Doch mitten in diesem trockenen Land liegt das Naturwunder und religiöse Zentrum Südandrylls, der Ashira il-Mawaq; der Thron des Mondes. Ein fruchtbarer, bewaldeter Berg, inmitten der Wüste, auf dessen Gipfel, umrahmt von einer Siedlung das Kloster der Stimmen Lunaris liegt, ein Ort, zu dem jeder Gläubige irgendwann einmal eine Pilgerfahrt unternehmen sollte.

Auf etwa halbem Wege, um einen mächtigen Felsen herum, der den Fluss dort in zwei Arme teilt, liegt Sacura, die Hauptstadt Südandrylls. Die Stadt Duran liegt am Druhasee aus dem der Sahkor entspringt. Alle weiteren nennenswerten Städte liegen an der Küste, allen voran Maracas, die überwiegend vom Handel, Fischfang und Schiffsbau leben. Dort werden auch die Exportgüter, wie Edelsteine, Salze, Mineralien, Schmuck, Reitpferde, Gewürze und getrocknete Südfrüchte, aber auch hochwertige Stahlprodukte, wie fein damastizierte Klingen verladen. Im Gegenzug wird alles angelandet, was Südandryll nicht selbst in ausreichendem Maße herstellen kann, wie Metalle und Erze aller Art, Bau und Feuerholz, Holzkohle und einige Nahrungsmittel, wie Reis und bestimmte Getreidesorten.

Insgesamt ist Südandryll recht wohlhabend und Hungersnot ist eher aus Erzählungen, denn aus eigener Erfahrung bekannt. Nicht zuletzt die fürsorgliche Führung der Nachtelfen, die, ohne in den Vordergrund zu treten, die Geschicke des Landes lenken, wird Stabilität und Gerechtigkeit gewahrt.

Jeder, der guten Willens ist, wird irgendwie ein Auskommen finden, selbst dann, wenn er durch körperliche oder geistige Gebrechen keine besonderen Leistungen mehr erbringen kann. Auch ein Greis, der nur noch mit müder Stimme den Kindern Geschichten aus seinem Leben erzählt, wird dafür, dass er sein Wissen und seine Erfahrung weiter gibt, sein Auskommen haben. Ebenso ist es selbstverständlich, dass Kranke von ihren Clans und Familien gepflegt und versorgt werden. Auch die beiden Hospitale stehen jedem Bedürftigen offen und werden aus Steuern und aus Spenden finanziert. Niemand, der dort nach Hilfe sucht, wird abgewiesen, oder nach seinem Vermögen gefragt werden, doch ist es eine Frage des Anstandes, das Hospital irgendwann, und sei es testamentarisch, mit einem angemessenen Teil seines Eigentums zu bedenken.

Auch die Steuern richten sich stets nach der Leistungsfähigkeit der Bürger; so wird ein Bauer, der eine Missernte hatte, kaum zu Steuern herangezogen, während eine außergewöhnlich gute Ernte durchaus eine erhöhte Abgabe nach sich zieht. Von diesen zusätzlichen Abgaben hat die Regierung im Laufe der Zeit ein ansehnliches Vermögen angehäuft, das in Krisenzeiten den Staat finanziert.

Dafür wird Diebstahl und Betrug mit äußerster Härte verfolgt und bestraft. Wer ohne rechtfertigende Not fremdes Eigentum an sich nimmt, kann kaum auf Gnade hoffen und die Strafen sind drastisch, wenngleich meist auf Wiedergutmachung ausgerichtet. Das kann aber durchaus bedeuten, dass ein Dieb den Rest seines Lebens als weitgehend rechtloser Sklave für den Geschädigten arbeiten muss. Die Bergwerke im Süden sind voll von Leuten, die den Hals nicht voll genug bekommen konnten.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt in den Städten und in den kleinen Siedlungen der Steppe.

Nur wenige Nomadenstämme durchqueren die Wüste. Doch gerade sie sind als Karawanenführer unentbehrlich geworden und auch der Abbau von Salz und die Suche nach Edelsteinen in der einsamen Weite dieses unfruchtbaren Landes, ist eine sprudelnde Einnahmequelle. Ebenso sind viele Nomaden begnadete Händler, doch ihr teilweise atemberaubendes Vermögen wird nur in den seltenen, aber dann kaum zu übertreffenden Familienfeiern sichtbar, zu denen sich beinahe der ganze Stamm einfindet und an denen auch Freunde und Geschäftspartner teilhaben dürfen. Der Regierungsrat sieht dies mit gemischten Gefühlen, da Steuern von den Nomaden nach eigenem Ermessen gezahlt werden und der Einfluss mancher Stammesführer kaum abzuschätzen ist. Dennoch, und dort scheint wieder der subtile Einfluss der Nachtelfen wirksam zu sein, standen die Nomaden auch in Kriegszeiten stets absolut loyal und zuverlässig zu den Völkern Südandrylls.

Die Clans sind in Südanryll sehr wichtig und weitaus mehr als Familienbande. Diese wählen ihre Mitglieder oft nach ihren Fähigkeiten und weniger nach ihrer Herkunft. Es sind vor allem die Clans, dieihren Mitgliedern den notwendigen sozialen Rückhalt bieten, gerade auch, wenn es gilt, persönliche Schicksalsschläge zu verkraften. So wird es in einem funktionierenden Clan nie eine Frage sein, was mit Waisenkindern oder pflegebedürftigen Greisen zu geschehen hat. Ohne daß es vieler Worte bedarf, werden sie bei ihren nächsten Verwandten aufgenommen werden.

Die Clans sind nicht nur für das Familiäre zuständig sondern auch für das Allgemeinwohl. So ist es selbstverständlich, dass der gesamte Clan einem unglücklichen Mitglied zur Seite steht und beispielsweise dessen abgebrannte Werkstatt und Unterkunft wieder aufbaut.

Die Clans der Nachtelfen sind ebenso geheimnisvoll, wie eng verwoben. Sie lenken seit Menschengedenken die Geschicke dieses Volkes und sind in Südandryll die wahren Herrscher, auch wenn sich ihr Einfluss einem Fremden nicht sofort erschließt. Sie wirken im Hintergrund und greifen nur dort ein, wo die Menschen an ihren Eigenheiten zu scheitern drohen. Am auffälligsten wird dies, wenn sich die Nachtelfen genötigt fühlen, einen eskalierenden Streit zu schlichten. Nicht nur einmal sah man die Streithähne, die sich noch Wochen zuvor noch gegenseitig das Haus angezündet und mit dem Tode bedroht hatten, nun gemeinsam die Häuser wieder aufbauen. Sogar Hochzeiten zwischen solchen Familien soll es gegeben haben.